Freie evangelische Gemeinde
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An(ge)dacht

 

An(ge)dacht Oktober 2010

Liebe Leserinnen, liebe Leser, es ist still geworden um die sogenannte „Friedensbewegung“...

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

es ist still geworden um die sogenannte „Friedensbewegung“. Kamen in den 80er Jahren noch Zehntausende zu den Friedensdemonstrationen an den Ostertagen zusammen, treffen sich in den letzten Jahren nur noch einige tausend Unentwegte zu den „Ostermärschen“. Und es liegt nicht daran, dass sich das Problem des Kriegs in dieser Welt erledigt hätte, was ja gut wäre. Im Gegenteil: Die Anzahl der bewaffneten Konflikte hat nicht ab-, sondern eher noch zugenommen, wenn man auch alle Bürgerkriege und Terroraktionen mit dazurechnet.


Wie stehen wir als Christen dazu? Jesus preist in Matthäus 5,9 die Friedensstifter selig und Paulus schreibt in Römer 12,18, dass wir mit allen Menschen Frieden halten sollen, sofern es jedenfalls an uns liegt. Von daher ist es klar, dass Nachfolger von Jesus friedliebende und darüber hinaus sogar Frieden schaffende Leute sein sollten.


Doch ist das nicht völlig unrealistisch, überzogen und teilweise sogar gefährlich in einer oft von Hass, Gewalt und damit auch Kriegen bestimmten Welt? Keine leichte Frage, auf die es auch keine leichten Antworten gibt. Wie auch auf die konkrete Frage, ob der Krieg in Afghanistan gerechtfertigt ist oder nicht. Gibt es das überhaupt, eine gerechtfertigten Krieg? Stimmt die oft zitierte Aussage, „dass Krieg nach Gottes Willen nicht sein soll“ in ihrer Absolutheit überhaupt? Denn hat Gott nicht im AT Kriege angeordnet und herbeigeführt, um z.B. sein Volk Israel zu bestrafen oder umgekehrt zu befreien (die Perser besiegten die Babylonier und so kam Israel 538 frei)? Und wäre das gegenseitige Töten im Kosovo auch ohne das militärische Eingreifen der NATO zu Ende gegangen?


Wie gesagt, gibt es auf diese Fragen keine leichten Antworten – es sei denn, man macht es sich mit ihr zu leicht.

Werfen wir, bevor ich doch eine Antwort versuche, einen Blick auf die zukünftige göttliche Friedensbewegung, von der der Prophet Jesaja im Monatsspruch für November spricht (Jes 2,4): „Gott spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen.“ Eines Tages wird es also auf dieser Welt keine Kriege mehr geben. Und zwar, weil Gott selbst ein Machtwort spricht „im Streit der Völker“. Das ist eine wunderbare Aussicht. Allerdings sagt Jesus voraus, dass bis dahin „Kriege und Kriegsgeschrei“ weiterhin diese Welt bestimmen werden (Mk 13,7).

Zum Schluss wie versprochen der Versuch einer Antwort auf die nicht einfachen Fragen von vorhin. Ich glaube, dass sich in dieser Welt nicht alle Konflikte ohne Waffen lösen lassen (wie die Kriege in Ex-Jugoslawien gezeigt haben) und dass der Krieg manchmal die einzige Möglichkeit ist, noch größeres Unrecht zu verhindern. Das ändert aber nichts daran, dass wir als Christen zu anderem berufen sind, nämlich als Menschen, die Frieden mit Gott geschenkt bekommen haben, nun auch friedfertig zu sein und sich für den Frieden einzusetzen. Das beginnt in der Familie, der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz und sollte, sofern wir Einfluss nehmen können, auch die „große Politik“ betreffen. Das sollten wir tun, obwohl die Bibel sagt, dass es auf dieser Welt endgültigen Frieden erst geben wird, wenn Gott selbst am Ende der Tage diesen Frieden gebietet und dann die Schwerter zu Pflugscharen und die Lanzen zu Winzermessern werden.


Übrigens: „Schwerter zu Pflugscharen“ war das Motto vieler Christen, die damit mit zur friedlichen Wende in der DDR beigetragen haben. Am 3. Oktober feiern wir die Wiedervereinigung zum 20. Mal. Wider alles Erwarten hat Gott sie uns damals geschenkt. Ich bin nach wie vor von Herzen dankbar dafür und staune auch immer noch darüber, dass dies damals (friedlich) möglich wurde. Es geht also doch – mit Gottes Hilfe.