Liebe Leserinnen, liebe Leser, ist es bei Ihnen immer noch „still“? Oder schon wieder so „laut“ wie vor dem „Jahr der Stille“ und der Aktion, die wir in der Gemeinde im Frühjahr durchgeführt haben?
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ist es bei Ihnen immer noch „still“? Oder schon wieder so „laut“ wie vor dem „Jahr der Stille“ und der Aktion, die wir in der Gemeinde im Frühjahr durchgeführt haben? Da die Hälfte des Jahres nun hinter uns liegt, scheint es mir an der Zeit, eine Bilanz zu ziehen und ggf. mit neuer Konzentration auf das Thema Stille den Rest des Jahres anzugehen. Denn dass das Thema von der Bibel her wichtig ist, bestreitet in der Regel keiner ernsthaft. Nur klafft zwischen der Theorie und der Praxis oft eine Lücke.
Wie sieht also meine Bilanz aus (um mal mit dem Menschen zu beginnen, bei dem ich das beurteilen kann)? Die ehrliche Antwort lautet, dass von den auch von mir gefassten Grundsätzen nicht mehr viel übrig geblieben ist. Weder im Blick auf „Sehnsucht nach mehr – die Stille entdecken“, noch auf „Lichtblicke im Alltag – Gott in der Stille begegnen“ und auch nicht auf die anderen vier Wochenthemen aus dem von uns gelesenen Stille-Buch (erinnern Sie sich spontan noch an die anderen vier?). Eigentlich schade, dann auch mir hatten die 6 Wochen der Beschäftigung mit dem Thema Stille gut getan und die eine oder andere Übung war hilfreich gewesen.
Wie es bei Ihnen aussieht, weiß ich natürlich nicht. Und vielleicht hatten Sie von Anfang an auch gar nicht bei der Aktion mitgemacht. Oder – was natürlich gut wäre – Sie haben schon vorher Stille in Ihrem Leben regelmäßig praktiziert und tun das also auch jetzt noch.
Wie dem auch sei: Lassen Sie sich (neu) herausfordern, in Ihrem Alltag der Stille Raum zu geben und damit „dem begegnen, der alle Sehnsucht stillt“ (so der Untertitel des Buchs). Denn nur bei Gott selbst kommen unsere oft „aufgescheuchten Seelen“ (Bonhoeffer in seinem Gedicht „Von guten Mächten…“) wirklich zur Ruhe und zum Frieden.
Damit wir aber jetzt nicht in der Theorie stecken bleiben, habe ich noch einige ganz konkrete Anregungen für Sie und für mich, wie wir für den Rest des Jahres der Stille und damit dem Hören auf Gott neu (oder weiterhin) Raum geben können:
· Lesen Sie doch einfach das Stille-Buch nochmals durch. Es muss ja nicht wieder in 40 Tagen sein. Sie können sich dazu auch die Predigten aus dem Frühjahr auf unsere Internetseite nochmals anhören und auch die Zusammenfassungen sind dort zu finden.
· Wie wäre es mal mit der sogenannten „Lectio divina“, einer besonderen Art des Lesens und Nachdenkens über Bibeltexte? Gute Anregungen dazu finden Sie in dem Buch „Komm in die Stille“ (GerthMedien), das Sie bei mir einsehen können (oder natürlich auch einfach per „Google-Suche“ im Internet). Diese „Lectio divina“ ist übrigens auch gut als zweite Aktion in den Hauskreisen geeignet.
· Nehmen Sie sich täglich bewusst Zeit für die Stille. Ich weiß, dass das banal klingt. Doch entscheidend ist, dass Sie es auch wirklich tun. Denn Zeit haben wir letztlich alle, jedenfalls dann, wenn wir die Begegnung mit Gott zur Priorität erheben und dafür z.B. auf TV-Konsum verzichten.
· Richten Sie sich einen Platz zuhause ein, um Zeit mit Gott verbringen zu können. Wenn das nicht möglich ist, gehen Sie, solange es noch warm ist, einfach in die Natur. Wichtig ist auch hier, dass Sie das regelmäßig tun.
Schließen will ich mit einer Bitte von David, der uns ermutigen will, Gottes Nähe in der Stille zu suchen (Ps 27,4-5): „Um eines habe ich den Herrn gebeten; das ist alles, was ich will: Solange ich lebe, möchte ich im Hause des Herrn bleiben. Dort will ich erfahren, wie gut der Herr es mit mir meint, still nachdenken im heiligen Zelt. Er bietet mir Schutz in schwerer Zeit und versteckt mich in seinem Zelt. Er stellt mich auf einen hohen Felsen.“
In diesem Sinn: ein gute Stille!