Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich vermute, dass viele von Ihnen für andere Menschen beten...
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ich vermute, dass viele von Ihnen für andere Menschen beten. Ich vermute aber ebenso, dass Sie selten bis nie das für andere erbeten haben, was Paulus im Blick auf die Christen in Ephesus (Eph 1,18 - Monatsspruch für April) von Gott erbittet: „Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid.“
Doch was sind „erleuchtete Augen des Herzens“ überhaupt? Im Sprachgebrauch der Bibel ist das „Herz“ nicht der Sitz der großen (Liebes)gefühle, sondern das Herz meint das Zentrum unserer Persönlichkeit. Es ist der Ort, an dem die Entscheidungen fallen und ist daher eher dem Verstand und dem Willen als den Gefühlen zuzuordnen.
Was soll es aber bedeuten, dass das Herz „Augen“ hat, die „erleuchtet“ werden müssen? Das hat damit zu tun, dass unser Herz durch die Sünde „verfinstert“ ist – oder mit einem anderen biblischen Ausdruck „tot“. Das heißt dann auch, dass es von sich aus Gott und dessen Liebe weder erkennen noch annehmen kann. Es muss von außen „erleuchtet“ werden, was durch das Wirken des Heiligen Geistes geschieht. Nur wenn Gottes Geist unser Herz berührt und lebendig macht, können wir überhaupt etwas von Gott und seinem Wesen erkennen. Paulus vergleicht das mit der Erschaffung des Lichts am ersten Schöpfungstag, wenn er in 2. Korinther 4,6 schreibt: „Gott hat einst gesagt: ‚Licht strahle auf aus der Dunkelheit!‘ So hat er auch sein Licht in meinem Herzen aufleuchten lassen und mich zur Erkenntnis seiner Herrlichkeit geführt, der Herrlichkeit Gottes, wie sie aufgestrahlt ist in Jesus Christus.“
Wenn wir also um „erleuchtete Augen des Herzens“ bitten, bitten wir Gott darum, unsere Persönlichkeit durch den Heiligen Geist zu berühren und uns den Blick für das zu öffnen, was Gott (bzw. Jesus) für uns bedeutet. Nämlich „dass wir zur Hoffnung von ihm berufen worden sind“. Und wir brauchen wenig nötiger als Hoffnung!
Doch ist das mit der Hoffnung ja so eine Sache. Schon mancher hat seine Hoffnungen scheitern sehen („Hoffen und Harren macht manchen zum Narren“). Darum ist es wichtig, dass die Hoffnung einen festen Grund hat und nicht auf selbsterdachten Hirngespinsten beruht. Und genau das ist bei der Hoffnung der Fall, die wir als Christen haben dürfen. Es ist die Hoffnung, dass Gott nicht nur allmächtig ist, sondern auch treu und zuverlässig und daher alle seine Versprechen einlösen wird. Dazu gehören z.B. die Zusage, dass wir seine Kinder sind, dass unsere Schuld vergeben ist, wenn wir sie auf Jesus geworfen haben oder dass unsere Gebete erhört werden.
Doch gipfelt alle christliche Hoffnung in der einen großen Zusage Gottes, dass Jesus wiederkommen wird. Für die, die nicht an ihn glauben, zum Gericht und für die, die mit ihm leben, zur endgültigen Erlösung und Verherrlichung. Dann wird Gott den neuen Himmel und die neue Erde schaffen, die zu beschreiben ich am Ende dieser Andacht Johannes überlasse (Off 21,4-7): „Und ich hörte eine große Stimme vom Thron: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen zelten, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott, wird bei ihnen sein. Und er wird herauswischen jede Träne aus ihren Augen. Und der Tod wird nicht mehr sein, weder Totenklage noch Geschrei noch Schmerz, denn das Erste ist vergangen. Und es sprach der auf dem Thron Sitzende: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind treu und wahrhaftig. Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das Alpha und das O, der Anfang und das Ende. Ich, ja ich gebe dem Dürstenden von der Quelle des Lebenswassers umsonst. Der Sieger wird dies (alles) ererben, und ich werde ihm Gott sein, und er, ja er wird mir Sohn sein.“
Ich wünsche Ihnen, dass Sie das mit den von Gott erleuchteten Herzensaugen erkennen können. Und vielleicht denken Sie demnächst in Ihrer Fürbitte mal daran, es auch für mich und andere zu erbitten?