Dem Ziel entgegen - über die Hoffnung der Christen

 

Zum unverzichtbaren Bestandteil christlicher Verkündigung gehört die Lehre von den letzten Dingen (die Eschatologie). Denn christlicher Glaube ist vor allem der Glaube daran, dass Jesus wiederkommen und alles gut machen wird. Nur die Bibel ist in der Lage, zuverlässige Aussagen über die Zukunft der Welt zu machen, die uns als Richtschnur für die Zukunft dienen können.


Worum es in der Eschatologie geht

Die Beschäftigung mit Bibeltexten über das Ende der Welt löst bei vielen Christen Unsicherheit und Zurückhaltung aus, manchmal sogar Angst: Was wird alles passieren (müssen)? Wann ist das Leben hier zu Ende? Müssen wir als Christen leiden? Im Zusammenhang der biblischen Aussagen darüber sind folgende Gesichtspunkte unverzichtbar:

  • vertrauen, dass Gott diese Welt in seiner Hand hält und er mit ihr zum Ziel kommt (Offenbarung 1,1.17+18; Matthäus 24,35).
  • Texte wie z.B. das Buch der Offenbarung wollen nicht verwirren oder abschrecken, sondern Hoffnung vermitteln, dass die Gemeinde trotz Leid oder Verfolgung fest in Gottes Hand ist (Leitgedanke: Offenbarung 1,8).
  • Die Texte über das Ende der Welt sind reich an Bildern und Symbolen. Es ist wichtig, diese zu erkennen, zu verstehen und sie zu übertragen (z.B. die Zahl 144.000 in Offenbarung 7,4).
  • Insgesamt geht es in den biblischen Texten zuerst um eine Hilfestellung für das Leben "jetzt" und nicht um einen ausführlichen Plan für die Zukunft.

Der Tod und das Leben danach

Der Tod gehört zum Leben aller Menschen (1. Mose 3,19; Psalm 90,12) und ist die Folge der Sünde (Römer 6,23). Mit dem Tod ist aber nicht alles aus. Für jeden Glaubenden gibt es seit der Auferstehung Jesu die Hoffnung auf die eigene Auferstehung (Psalm 49,16; Daniel 12,2; 1. Korinther 15,20-22).

Unser Verständnis von Zeit legt es nahe, eine Art Zwischenraum zwischen dem leiblichen Tod und der Auferstehung zu denken. Ob dieses zeitliche Denken hier allerdings angemessen ist, ist fraglich. Diese "Phase" lässt sich aber nur unzureichend beschreiben: Sie ist mehr als Schlafen. In ihr kann man wahrnehmen, sich in der Hand Gottes wissen und mir Jesus verbunden sein (Psalm 139,8; Römer 8,38+39). Als Ziel steht aber dann die Auferstehung in neuer, leiblicher vollendeter Gestalt, wobei die Identität des Menschen gewahrt bleibt (Philipper 3,20+21).

Auch die Menschen, die nicht an Gott glauben, werden auferstehen und sich beim letzten Gericht für ihr Leben und die Ablehnung der angebotenen Rettung vor Gott verantworten müssen. Auf sie wartet eine Zukunft in der Trennung von Gott (Daniel 12,2; Matthäus 25,31-46; Johannes 5,24.28+29).


Die Wiederkunft Jesu

Jesus ist bei der Himmelfahrt zu seinem Vater zurückgekehrt. Doch dort wird er nicht bleiben. Eines Tages wird er noch einmal auf diese Erde zurückkehren - dann, um die Gemeinde zu sammeln und die Welt zu richten.

Bis dahin wird die Geschichte dieser Welt wird immer mehr von Kriegen, Leid, Katastrophen (Matthäus 24,6+7), Gesetzlosigkeit (Matthäus 24,12) und Verfolgung der Gemeinde Jesu gekennzeichnet sein (Matthäus 24,9-11). Diese Entwicklung gipfelt in der Person und Herrschaft des sog. "Antichristen", der als weltweiter Diktator die Welt beherrschen und sich gegen alles richten wird, was mit Gott zu tun hat (z.B. Matthäus 24,24; Offenbarung 13). Dessen Terrorherrschaft wird der wiederkommende Christus mit dem "Hauch seines Mundes" (2. Thessalonicher 2,8) beenden. Bei dieser Gelegenheit werden auch viele Juden Jesus als Messias erkennen und annehmen, so dass sie gerettet werden (Römer 11,25f).

Das Szenario, das die Bibel in Bezug auf den Antichristen entwirft ist ohne Frage beängstigend. Doch letztlich soll auch das die Gemeinde trösten, denn die Herrschaft des Antichristen ist von Gott begrenzt und letztlich ist diese schlimme Epoche die Morgendämmerung der neuen Welt Gottes (Lukas 21,28): Jesus wird als Richter wiederkommen und die endgültige Herrschaft Gottes auf dieser Welt durchsetzen (Matthäus 24,30+36; Apostelgeschichte 17,31).


Auferstehung der Toten und das Gericht

Bei Jesu Wiederkunft werden die dann noch lebenden Christen werden entrückt und die Toten auferstehen (1. Thessalonicher 4,16f). Beide bekommen einen neuen, nicht mehr der Vergänglichkeit unterworfenen Körper, den die Bibel nicht näher beschreibt (1. Korinther 15,44).

Jeder, der bei Jesu Wiederkunft nicht an ihn glaubt, wird dann gerichtet werden. An der Stellung zu Jesus wird sich dann das ewige Schicksal entscheiden (z.B. Offenbarung 20,11-15).

Auch die Gemeinde muss vor Gottes Richterstuhl erscheinen. Allerdings geht es für sie nicht um die Frage nach dem ewigen Leben - das haben sie durch Jesus! Aber auch die Glaubenden werden sich für ihre Taten verantworten müssen, wobei dies nicht an ihrer Rettung rüttelt (1. Korinther 3,13-17). Sie werden in ewiger Gemeinschaft mit Gott in seiner neuen Welt leben, die Nichtglaubenden ewig von Gott getrennt (Offenbarung 20,12+15).


Die neue Welt Gottes

Am Ende aller geschilderten Ereignisse und als das Lebensziel der Christen schlechthin steht Gottes neuer Himmel und seine neue Erde (Offenbarung 21,1-7).


Bedeutung der Hoffnung für die Gemeinde

Die Botschaft vom Kommen Jesu löst oft Unbehagen bei uns aus. Wir haben es uns hier auf dieser Erde schön eingerichtet, freuen uns am Leben und an dem Schönen in dieser Welt. Darum ist es ungemütlich, vom Kommen Jesu zu hören oder zu reden.

Die Hoffnung auf die Wiederkunft Jesu ist oft nur schwach oder verkümmert vorhanden. Karl Heinz Knöppel schreibt dazu: "Viele Entwicklungen und Mängel in der Gemeinde Gottes haben ihre Ursache in dem Verlust an Hoffnung auf den wiederkommenden Herrn.[...] Lebendige Hoffnung hält die Bruderliebe frisch und drängt zu einem gottgeweihten Leben.[...] Der tiefste Grund aber liegt in der verlorenen Liebe zu Jesus. Darum ist es manchen Christen, wenn sie von seinem Kommen hören, zumute, als hätten sie eine gerichtliche Anklage und Vorladung erhalten."

Daraus lassen sich folgende Konsequenzen ziehen:

  • Die Aspekte der Wachsamkeit und der Hoffnung müssen stärker betont werden. Wir sollten einander dazu ermutigen, sich mit den eschatologischen Bibeltexten zu beschäftigen.
  • Die vorhandene Zeit muss intensiv zur missionarischen Arbeit genutzt werden.
  • Wir müssen stärker in der Erwartung leben, dass Jesus wiederkommt. Dies wird konkrete Auswirkungen im persönlichen Leben und in der Gemeinde haben.

Am Ende ...

...angekommen ist dieser Glaubensgrundkurs. Die Überschrift war gleichzeitig unser Wunsch: Glauben, der Wurzeln schlägt. Wir beten darum, dass dies durch diesen Kurs durch Gottes Geist gelungen ist. Aber das Leben mit ihm geht weiter, hoffentlich in einer gestärkten und bereicherten Beziehung zu unserem Gott.

Dieses Material ist so aufgebaut, dass es jederzeit nachgelesen und vertieft werden kann und somit in der Zukunft immer wieder eine Hilfe sein kann.

Wir haben dieses Material für die Arbeit in unseren Freien evangelischen Gemeinden Dillenburg und Herborn. Natürlich kann es auch an andere weitergegeben werden, allerdings bitte nur nach Rücksprache mit uns.


Gerd Mankel & Martin Plücker