Taufe und Herrnmahl (andere Ausdrücke: Abendmahl, Eucharistie) werden allgemein als "Sakramente" bezeichnet (Sakrament = Geheimnis). Damit bringen wir zum Ausdruck, dass wir bei aller Überlegung nicht wirklich bis ins Letzte erklären können, wie Gott durch sie wirkt. Unbiblisch ist allerdings der Gedanke, dass die Sakramente von sich aus das Heil bewirken könnten. Sie sind äußeres Zeichen eines inneren Vorgangs. Fehlt der innere Vorgang (Glaube), dann ist auch das äußere Zeichen hinfällig! (z.B.: Wer das Herrnmahl einnimmt, hat wegen der Teilnahme an sich keine automatische Sündenvergebung; wer getauft ist, ohne zu glauben, wird dadurch nicht automatisch ein Christ.)
In der Bibel gibt es keine systematische Tauflehre. Von der Taufe ist oft nur im Zusammenhang mit anderen Themen die Rede. Schwierigkeiten ergeben sich immer dann, wenn die Taufe aus diesen Zusammenhängen gelöst wird und dann z.B. als Tür zur Gemeinde, als Vergebung der Erbsünde (( Nottaufe), als Eingliederung in den Leib Christi oder als reiner Gehorsamsakt verstanden wird.
Die Taufe gründet in Jesu Tod und Auferstehung. Sie ist das äußere Zeichen dafür, dass ein Mensch das Opfer Jesu für sein Leben angenommen hat und sich durch Jesu Vergebung von seiner Schuld reinigen lässt (Anklang an die atl. Waschungen; vgl. Johannes den Täufer).
Jesus selbst hat die Taufe geboten (Matthäus 28,19f) und die Gemeinde praktizierte sie von Anfang an. Dabei wird in der Apostelgeschichte deutlich, dass der Taufe immer die Verkündigung und Annahme des Evangeliums voranging. Getauft wurde nur, wer Christ war (z.B. Apostelgeschichte 10,47f). Die Taufe fand unmittelbar nach der Bekehrung statt (z.B. Apostelgeschichte 8,36-38). Wer sich damals für Jesus entschied, ließ sich taufen. Die Taufe war die Besiegelung der Bekehrung (ähnlich, wie ein Trauring den Eheschluss besiegelt). Bekehrung und Taufe gehörten so eng zusammen, dass die Bibel dann der Taufe Dinge zuschreibt, die eigentlich von der Bekehrung ausgesagt werden müssen (z.B. Apostelgeschichte 2,38 Sündenvergebung). Wird der biblische Zusammenhang zwischen Taufe und Bekehrung auseinandergerissen, kommt man zu falschen Aussagen, wie z.B., dass die Taufe allein (also ohne Bekehrung) Vergebung der Schuld bewirke.
Was bedeutet die Taufe im einzelnen?
1. Taufe ist Gottes sichtbares und spürbares Ja zu uns:
Wir bestehen nicht nur aus unserem Verstand, sondern auch aus Gefühlen und Empfindungen. Auf dieser Ebene ist die Taufe eine Hilfe. Der Täufling hört nicht nur Gottes Zusage, dass seine Sünden vergeben sind - er spürt sie auch. So, wie man durch ein Bad im Wasser sauber wird, so vergibt Gott uns unsere Schuld. Gott ist in der Taufe der Handelnde, indem er uns seine Vergebung hörbar durch das Wort und sichtbar durch die Taufe zuspricht.
Dieser Aspekt der Taufe kann ganz handfeste Auswirkungen in unserem Leben haben. Wenn uns Zweifel oder Anfechtungen bedrängen, kann uns unsere Taufe eine Hilfe sein. Wir können dann darauf verweisen, dass Gott uns sein Heil und seine Hilfe wirklich zugesagt hat.
2. Taufe ist Antwort des Menschen auf Gottes Angebot zur Rettung
Wer sich taufen lässt, antwortet damit auf Gottes Heilsangebot. Diese Antwort ist zugleich Bekenntnis. Der Täufling bekennt sich zu seiner Sünde und dazu, fortan mit Jesus leben zu wollen. Deshalb hat Taufe immer auch Öffentlichkeitscharakter.
3. Taufe ist Zeichen des geschehenen Herrschaftswechsels
Der Taufbefehl in Matthäus 28,18f lautet nicht: "Und tauft sie im Namen des Vaters...". Die richtige Übersetzung lautet: "Und tauft sie auf den Namen...". Taufe auf zeigt einen Herrschaftswechsel an (Scheck): der Täufling wird Gott übereignet. Und das hat natürlich Konsequenzen. Deshalb ist die Taufe
4. Verpflichtung zum neuen Leben
Paulus charakterisiert in Römer 6 Bekehrung und Taufe als Sterben und Auferstehen mit Christus. Das Eintauchen ins Wasser steht für das Sterben mit Christus, das Auftauchen für das Auferstehen mit Christus. Paulus meint damit, dass der Christ der Sünde gestorben ist - sie hat keinen Anspruch mehr auf ihn. Und fortan lebt der Christ für Gott. Wer sich durch seine Taufe vor der Gemeinde und der Öffentlichkeit zu Jesus bekennt, der verpflichtet sich damit auch zu einem Leben mit Gott
5. Taufe stellt in die Gemeinschaft der Gemeinde
Das bringt z.B. 1.Korinther 12,13 zum Ausdruck. Wer sich taufen lässt, braucht dazu die Gemeinde. Denn niemand kann sich selbst taufen. Jeder Christ ist Glied am Leib Christi. Und die Taufe macht deutlich, dass sich hier jemand bekehrt hat und damit zur Gemeinde dazugehört.
Exkurs: Kindertaufe
Wie weiter oben schon ausgeführt, geht im NT der Taufe immer die Bekehrung des Täuflings voran. Das NT kennt die Kindertaufe nicht (bei den Stellen, wo davon die Rede ist, dass ganze "Häuser" getauft wurden - Apostelgeschichte 16,15.33 -, steht nicht dabei, dass dazu auch Kinder gehörten). Auch die Kirchengeschichte zeigt, dass in den ersten Jahrzehnten keine Kinder getauft wurden. Die kirchliche Praxis der Kindertaufe entstand erst im Laufe der Jahre. Da die Kinder"taufe" keine Taufe im biblischen Sinn ist, kann es auch keine Wiedertaufe sein, wenn sich jemand als Glaubender taufen lässt. Da die Taufe nicht heilsnotwendig ist, gibt es in Freien evangelischen Gemeinden auch Leute, die ihre Kindertaufe als Taufe anerkennen. An der Tauffrage entscheidet sich nicht die Gemeindezugehörigkeit (im Gegensatz etwa zu den Baptisten). Die Gewissensentscheidung des Einzelnen wird respektiert!
Während die Taufe ein einmaliger, nicht wiederholbarer Akt ist, hat Jesus der Gemeinde das Herrnmahl als regelmäßige Einrichtung gegeben (1.Korinther 11), wobei es keine biblische Festschreibung für die Häufigkeit gibt. (Die ersten Christen feierten es wohl wöchentlich!).
Name
Gastgeber des Mahls ist der auferstandene Herr selbst, nicht die Gemeinde. Deshalb ist der Name Herrnmahl sachgemäßer als der Name Abendmahl (denn der Abend spielt keine Rolle!). In Matthäus 26,17-19.26-29 wird uns von dem ersten Herrnmahl berichtet.
Brot und Wein
Wie das Wasser der Taufe sind die Elemente Brot und Wein sichtbares Wort Gottes. Der Teilnehmer hört nicht nur, dass Jesus für ihn gestorben ist, er kann es auch schmecken und fühlen (Gott sagt uns sozusagen nicht nur, dass er uns liebt; er nimmt uns in den Arm).
Was geschieht beim Herrnmahl?
Wer darf teilnehmen?
Jeder Glaubende! Das Herrnmahl ist eindeutig die Feier der Familie Gottes. Jesus hatte seine Jünger dazu eingeladen - nicht das ganze Volk! Jeder, der mit Gott und Menschen in Frieden lebt (Matthäus 5,23f), ist herzlich von Jesus eingeladen, das Mahl mit ihm zu feiern! Auch das Herrnmahl ist nicht heilsnotwendig. Allerdings bringt man sich um den Segen der intensiven Gemeinschaft mit Jesus, wenn man als Christ nicht am Herrnmahl teilnimmt!
Exkurs: Wer ist nach 1.Korinther 11,27f würdig oder unwürdig?
Diese Bibelstelle gehört zu den Bibeltexten, die aufgrund einer falschen Auslegung bei vielen Christen zu Angst und seelischem Druck führen. Was passiert, wenn ich nicht "würdig" bin und beim Herrnmahl teilnehme? Wann bin ich eigentlich "würdig"?
Um diese Stelle richtig zu verstehen, müssen wir den Zusammenhang des Textes beachten. Was Paulus mit würdig bzw. unwürdig meint, stellt er in den Versen 20-22 dar. Wenn die Gemeinde vor der Feier des Herrnmahls zum Abendessen zusammenkam, hatten die Reichen immer genug zu essen, die Armen blieben hungrig und durstig. Man wartete auch nicht aufeinander. Manche betranken sich sogar. Hier wurde die Bruderschaft und die Nächstenliebe verletzt. In dieser Atmosphäre wurde dann das Herrnmahl miteinander gefeiert. Dazu sagt Paulus: Das ist nicht das Mahl des Herrn!
Nicht der ist unwürdig, der sich unwürdig fühlt. Gerade der ist beim Herrnmahl richtig, denn letztlich hat kein Mensch das verdient, was Jesus für uns getan hat! Wichtig ist, dass Paulus hier im Griechischen kein Adjektiv gebraucht ("unwürdig sein"), sondern ein Adverb ("sich unwürdig verhalten").
In Korinth ging es um verletzte Bruder- und Nächstenliebe, um mangelnde Rücksichtnahme und Betrunkene beim Herrnmahl. Das gibt es allerdings auch heute in unseren Gemeinden (wohl bis auf die Betrunkenen). Unversöhnlichkeit ist keine gute Grundlage, miteinander das Herrnmahl zu feiern. Darum könnt gerade eine Herrnmahlfeier eine gute Gelegenheit sein, zwischenmenschliche Konflikte auszuräumen.